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EU-Blogs: unbekannt, aber wichtig

Eine Übersicht über die Eurobloggosphäre.

, von  Vincent Venus

Es gibt mindestens 890 Euroblogs. – Photo © Vincent Venus

Autoren

  • Bundessekretär der JEF Deutschland | ehemaliger Chefredakteur | MA European Public Affairs, B.A. European Studies, Maastricht University | Spezialisierung: EU Außenpolitik, Politische Kommunikation

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Bloggen, das ist manchmal BlaBla und manchmal wertvolle Information. Bei EU-Blogs ist das nicht anders. Doch viele, die in dieser Bloggerszene aktiv sind, haben Ahnung vom Thema: Politikstudenten, spezialisierte Journalisten, Vertreter der Institutionen und sogar EU-Insider, die unter Pseudonym veröffentlichen. 

Dennoch sind die Besuchszahlen dieser Webseiten mickrig im Vergleich zu klassischen Onlinezeitungen. Warum? Die Blogs sind Teil der Euroblase und sie schaffen es kaum, daraus auszubrechen. Deshalb führt kein Weg daran vorbei: wer an die Informationen möchte, muss sich einarbeiten und akzeptieren, dass die Sprache der Europäischen Union und ihrer Experten Englisch ist. Um diesen ersten Schritt zu erleichtern, gebe ich im Folgenden eine Übersicht über wichtige englischsprachige EU-Blogs und widme mich anschließend der kleinen deutschsprachigen EU-Bloggerszene.

Eine Übersicht

Die Blogs haben unterschiedliche Profile, sowohl was die Themen, als auch die Struktur angeht. Die einen berichten über die allgemeine EU-Politik, die anderen haben sich auf ein Politikfeld spezialisiert. Und dann gibt es noch jene, die ihre Position klar definiert haben: links oder rechts, euroskeptisch oder pro-europäisch. Auch vom Aufbau unterscheiden sich die Blogs sehr. Manche werden von einer Einzelperson betrieben, andere bieten eine Plattform für jeden, der mitmachen möchte, und wieder andere ähneln eher einem Magazinen als einem Blog.

Die EU-Bloggerszene ist zwar eine Nische, dennoch gibt es mindestens 890 Blogs, die sich mit der EU beschäftigen. Wer alle EU-Blogs auf einen Blick haben möchte, der sollte bei Bloggingportal.eu starten. Das Portal listet fast alle Blogs auf, inklusive Sortierung und RSS-Feed. Allerdings erschließt sich daraus nicht, welche Seiten wichtig sind.

Englischsprachige EU-Blogs

Blogactiv.eu, Blogs.EuObserver.com und IdeasOnEurope.eu sind Plattformen, bei denen man seinen eigenen Blog beantragen kann. Diese bieten eine gute Einstiegsmöglichkeit, da sie bereits einen Stamm an Leser haben.

Echte Förderer des transnationalen Austauschs sind die mehrsprachigen Blogs. DieEuros.eu und Cafebabel.de sind exzellente Beispiele, wie die in Nationen gespaltene Debatten eine europäischen Öffentlichkeit erreichen können. Das gleiche Anliegen mit einem zentralistischen Ansatz hat TheEuropeanDaily.com. Die Seite übersetzt Artikel aus vielen europäischen Ländern ins Englische. Die Macher planen sogar, eine europaweite Tageszeitung herauszubringen (links findet sich ein Link zu einem Interview mit dem Projektmanager).

Eine persönliche Sicht, angereichert mit viel Fachwissen, bieten JonWorth.eu und Clive-Matthews, sowie Polscieu. Die ersten beiden berichten seit Jahren über EU-Politik und haben es geschafft, die Euroblase zu durchbrechen. Letzter wird von Ronny Patz betrieben, der versucht, europäische Forschung und Politik zusammenzuführen. Mehrere Autoren auf einer Seite findet man bei Kosmopolito.org.

Außerdem gibt es auch noch die Blogs von Journalisten, meist EU-Korrespondenten, die einen Einblick in die europäische Politik bieten. Die Financial Times betreibt den Brussels blog, und The Economist Charlemagne’s Notebook. Diese Blogs gelten als sehr reichweitenstark.

Auch die EU-Institutionen lassen bloggen. Das Europaparlament auf www.ep-webeditors.eu und die Kommission gleich an mehreren Stellen

Klare Positionen bieten Social-Europe.eu (links), BrusselsJournal.com (konservativ), OpenEuropeblog.blogspot.com (euroskeptisch) oder das viersprachiges JEF-Onlinemagazin TreffpunktEuropa.de (pro-europäisch).

Die deutschsprachige EU-Bloggerszene

„Ich frage mich immer, warum es nicht mehr EU-Blogs auf Deutsch gibt“, bemerkte Andreas Muellerleile, Leiter von Kosmopolito.org, im Interview. In der Tat ist die deutschsprachige EU-Bloggerszene klein. Viele deutsche Muttersprachler veröffentlichen lieber auf Englisch, um ein größeres Publikum zu erreichen. Dennoch finden sich einige gute EU-Blogs in deutscher Sprache, hier eine Auswahl:

Wortwallungen.com sieht sich als Teil der Demokratie und möchte erreichen, dass politische Geschehnisse die Menschen wieder bewegen. Der Blog berichtet sowohl über europäische Gesellschaftsthemen als auch EU-Politik.

LostInEurope wird von Eric Bonse betrieben, einem freien Journalisten in Brüssel. Besonders hervorzuheben ist die hohe Frequenz von Blogeinträgen, 320 waren es bisher in 2011, und die Rubrik „Vergessene EU-News“. In letzterer werden wichtige Nachrichten geführt, die von den Massenmedien ignoriert worden sind.

Einen Blick auf die EU aus deutscher Perspektive bietet CitizensEurope.com von Christian Weilmeier. Weilmeier nimmt oft Artikel von Onlinezeitungen als Ausgangspunkt für Kommentare. Die Eurokrise begleitet er sehr kritisch.

Analysen aus föderalistischer Perspektive gibt es nicht nur in diesem Onlinemagazin, sondern auch auf Foederalist.blogspot.com. Der Autor nennt sich „Coccodrillo“ und setzt auf ausführliche Analysebeiträge mit einem politikwissenschaftlichen Hintergrund.

Dieser Artikel erschien im neuen gedruckten Treffpunkt Europa, Mitgliedermagazin der JEF-Deutschland. Die aktuelle Ausgabe widmet sich den Medien als vierte Gewalt in Europa und ist auf der JEF-Webseite kostenlos erhältlich.

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