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Europa und Afrika: Liegt die Zukunft in der regionalen Kooperation?

, von  Charles Nonne, übersetzt von Dominic Gohla

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Jean Ping, Präsident der Kommission der Afrikanischen Union, und Herman van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates. Bestimmte Rechte vorbehalten von President of the European Council.

Autoren

  • Étudiant en Master à Sciences Po Paris, membre des Jeunes européens Universités de Paris. Membre du Comité de rédaction du Taurillon.

  • Student am University College Maastricht

Seit den 1990er Jahren hat die regionale Zusammenarbeit in beiden Kontinenten entlang des Mittelmeeres stetig zugenommen. Während Europa sich bereits 1992 in Maastricht zu einer Union zusammenschloss, haben sich afrikanische Staatsoberhäupter der Aufgabe verschrieben bis 2025 einen neuen gemeinsamen Markt in Afrika zu schaffen. Auch wenn wesentliches Ziel, sowohl in Europa, als auch in Afrika, eine ökonomische Integration und die Schaffung einer Freihandelszone waren, haben die Europäische Union und die Afrikanische Union dieses auf zahlreiche andere Bereiche ausgeweitet.

Es muss festgestellt werden, dass die Regionalisierung auf den beiden Kontinenten noch nicht auf die gleichen Erfolge zurückblicken kann. Die Europäische Union hat eine gemeinsame Währung, verabschiedet Gesetze, die für alle ihre Bürger gelten und ist in den meisten internationalen Organisationen vertreten. Die Afrikanische Union hingegen, gegründet im Jahr 2002, muss erst noch viele ihrer Institutionen einrichten. Außerdem muss sie sich mit acht sub-regionalen Organisationen arrangieren, die alle unterschiedliche Ausprägungen und Ambitionen haben. Nichtsdestotrotz stellen diese kontinentalen Institutionen einen wesentlichen Faktor dar, möchte man die Logik und Dynamiken eines Kontinents verstehen.

Schrittweise Integration unter Berücksichtigung nationaler Gegebenheiten

Gegner des europäischen Föderalismus und des Panafrikanismus werfen Befürwortern oft vor, lokale und nationalstaatliche Umstände nicht ausreichend in Betracht zu ziehen. Niemals jedoch lag eine solche Intention vor. Die Europäische Union hat sich seit jeher darauf konzentriert, verschiedene Kulturen und nationalstaatlichen Partikularismus zu beachten, ohne zu versuchen, sie zu beseitigen. In Bezug auf die Staatsführungen in der Afrikanischen Union, sind diese sich vollkommen bewusst, dass viele ihrer Probleme nur zwischenstaatlich gelöst werden können.

Die Europäische Union und die Afrikanische Union haben nie ein anderes Ziel gehabt und werden nie ein anderes Ziel haben, als die Angelegenheiten zu regeln, die über Staatsgrenzen hinausgehen. Jedoch werden es in der Zukunft viele Herausforderungen notwendig machen, lokale Unterschiede zu überbrücken, ohne diese jedoch zu ignorieren.

Aus diesem Grund wird der Erfolg von Europa und Afrika als gemeinsame Körperschaften auch von ihrer Fähigkeit abhängen, lokale Unterschiede zu verstehen und zu handhaben. In Afrika leben hunderte verschiedene ethnische Gruppen und Minderheiten zusammen – ob sie es wollen oder nicht. In vielen Regionen, die in der Vergangenheit schwere Konflikte durchlaufen haben – so beispielsweise Ruanda, die Elfenbeinküste oder Südafrika – ist eine nationale Versöhnung häufig nur ein Traum, im besten Fall eine entfernte Hoffnung. Auf der anderen Seite des Mittelmeers scheint die Geburt eines europäischen Volkes mit der Zunahme nationaler Spannungen mehr und mehr in die Ferne zu rücken. Wie auch immer, sollte dies föderalistische Bestrebungen in Afrika oder Europa stoppen?

Regionale Integration als Voraussetzung für das 21. Jahrhundert?

Obwohl Europa und Afrika nur mittelgroße Mächte darstellen, werden sich nationale Regierungen des Ausmaßes der Angelegenheiten bewusst, die auf einer kontinentalen Ebene erfolgreich gelöst werden könnten. Wenn sich Europa mit seinem Potential für Innovation, Forschung und Produktion mit Amerika und Asien messen will, dann kann dies nur durch eine gemeinsame europäische Industrie- und Forschungspolitik gelingen. In Afrika machen die meisten ethnischen und bewaffneten Konflikte nicht halt an Staatsgrenzen, wie die desaströse humanitäre Situation in der Demokratischen Republik Kongo und in Mali beweisen.

In diesem Kontext scheint es, dass die Beziehung zwischen der Europäischen Union und der Afrikanischen Union essentiell für die Lösung dieser Probleme sein wird, bedeutend mehr als die bilateralen Beziehungen zwischen einzelnen Staaten. Viele Fragen ergeben sich auf einer transkontinentalen Ebene und müssen auch auf dieser Ebene beantwortet werden. Migration, Frieden und nationale Sicherheit, Piraterie und die Umwelt sind nur einige dieser Angelegenheiten, die nicht unter einem Stillstand leiden oder durch ein unilaterales und kontraproduktives Abkommen von einer kleinen Anzahl von Staaten entschieden werden sollten.

Afrika zählt nun eine Milliarde Einwohner. Der Kontinent ist erschöpft von bewaffneten und politischen Konflikten, einer häufig heiklen humanitären Situation und den üblichen Problemen bezüglich Regierungsführung, Bildung, Zugang zu Wasser und Gesundheitsversorgung. Europa spielt eine Hauptrolle in der zukünftigen Restrukturierung des afrikanischen Kontinents – nicht nur durch das Auferlegen von Entscheidungen oder die Gewährleistung herkömmlicher Entwicklungshilfe, sondern indem es Impulse gibt für eine ehrgeizige Politik.

Regionale Beziehungen müssen die bilateralen ersetzen

Um dies erreichen können, werden einige europäische Staaten ihre althergebrachte Politik gegenüber Afrika zugunsten einer Beteiligung am interkontinentalen Dialog hinter sich lassen müssen. Diesbezüglich stellt Frankreich ein vorzügliches Beispiel dar. Der Paternalismus, der die französischen Regierungen charakterisiert hat und in der Françafrique verkörpert wurde, hat möglicherweise mehr Schaden verursacht, als er Vorteile für den französischsprachigen Teil Afrikas und den Kontinent gebracht hat. Außerdem sind die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Afrikanischen Union nicht von den zahlreichen Dekaden des Kolonialismus beeinflusst, was langfristig die Basis für einen auf Gegenseitigkeit beruhenden und produktiven Dialog bieten könnte.

Die Vereinigten Staaten von Europa, wie von Jean Monnet erdacht, oder die Vereinigten Staaten von Afrika, für die sich Oberst Gaddafi als Führer Libyens eingesetzt hat, werden wohl nicht in absehbarer Zeit Realität werden. Wenn Europa aber eine Partnerschaft auf Augenhöhe eingehen kann, basierend auf der Anerkennung von wohlverstandenen Interessen, der Stärkung von ambitionierten diplomatischen Beziehungen und dem Austausch von universell anerkannten Werten, dann mit Afrika.

Das kommende Jahrzehnt wird es uns erlauben einzuschätzen, ob Europa diese einmalige Gelegenheit ergreifen wird. Wenn ja, dann könnten Europa und Afrika möglicherweise nicht nur Partner, sondern politische Verbündete werden. Für den Moment muss Pragmatismus maßgeblich sein, aber die Hoffnung ist nichtsdestoweniger lebensnotwendig – für beide, Europäer und Afrikaner.

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