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Europas Jugend: die verlorene Generation auf dem Arbeitsmarkt?

Zweiter Teil der Themenwoche.

, von  übersetzt von Onntje Hinrichs, Vladimir Pecheu

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Vertreter von Thinktanks, Zeitungen und Gewerkschaften diskutierten über die Situation und Perspektiven der europäischen Jugend auf dem Arbeitsmarkt. Eingeladen hatte die JEF Frankreich.

"Arbeitslos, aber nicht hoffnungslos." – Photo: Bestimmte Rechte vorbehalten von Steve Rhodes

Autoren

  • Membre des Jeunes Européens Universités de Paris Étudiant en master Économie et politique publique à SciencesPo

  • Studiert „European Studies“ an der Maastricht University

Jugendliche seien heutzutage einem „Hürdenlauf“ aus Konkurrenzdruck und Zukunftsängsten ausgeliefert, so Monsieur Janneau, Journalist beim Magazin „Alternatives Economiques“ in seinem Auftaktvortrag. Dieser schwierige Abschnitt, welcher grob vom Eintritt in die Universität bis zum Ende der zwanziger andauert, sei durch die Wirtschaftskrise nochmals verschärft worden. Monsieur Lerais betonte, dass die Jugendarbeitslosigkeit in diesem Jahr in Spanien und Griechenland fast 50 Prozent erreicht habe – 20 Prozent mehr als noch im Jahr 2008. Und dies seien nicht die einzigen Länder, in denen solch beunruhigende Tendenzen zu beobachten seien: durchschnittlich jeder fünfte unter 25 Jahren sei arbeitslos gemeldet.

Welche Rolle könnten die Institutionen der EU in einer solchen Krise übernehmen? So lautete die Leitfrage an jenem Mittwoch Abend. Es wurden jedoch wenige Lösungsansätze von einem föderalen Standpunkt aus her diskutiert. Monsieur Lerais, der sich selbst als überzeugten Europäer bezeichnete, bemerkte, dass die EU Mitgliedstaaten zum großen Teil nicht gewillt seien, Kompetenzen ihrer Arbeitsmarktpolitik an die EU abzugeben. Stattdessen wären sie eher bereit, sich im Rahmen der „Offenen Methode der Koordinierung“ über bestimmte Praktiken auszutauschen. Solch eine Vorgehensweise würde kurzfristig aber eher geringe Auswirkungen haben.

Der Kommentar

Das soll also alles sein? Während Europas Jugend mit Programmen wie Erasmus unterhalten wird, kann die EU nach erreichtem Bildungsabschluss nicht mehr viel für sie tun. Denn ohne eine Direktive über einen europaweiten Mindestlohn, eine europäischen Steuer- oder Sozialpolitik, kann Europa auch nicht die existierenden Missstände im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit in den Mitgliedstaaten beseitigen. Allerdings betonte Monsieur Weber, dass noch 82 Milliarden Euro in den Strukturfonds 2007-2013 für Projekte der EU vorhanden seien. Diese Mittel würden es der EU ermöglichen, eigenständige Projekte zu planen und durchzuführen. Beim letzten EU-Gipfel am 31. Januar wurde dieses Thema angesprochen. Der Europäische Rat beschloss die Schaffung von Arbeitsgruppen in jenen Ländern, die am stärksten von Jugendarbeitslosigkeit betroffen sind. Deren Leitung soll die Kommission übernehmen.

Wir brauchen mehr Mobilität!

Die Jugend ist der Lebensabschnitt, in denen die Fülle an Möglichkeiten und die Ambitionen eines Menschen am größten ist. Gleichzeitig ist sie aber auch ein Abschnitt in dem man auf viele Hindernisse trifft. Oftmals benötigt es nur einer kleinen Hilfestellung, um diese zu überkommen. Die EU sollte ihre Anstrengungen daher auf jene jungen Europäer konzentrieren, deren Anstrengungen in Enttäuschung enden. Hier könnte sich die EU verdient machen.

Wenn junge Europäer einfacher einen Job außerhalb ihrer Landesgrenzen anstreben könnten, würde die Arbeitslosenrate im gesamten Kontinent fallen – 6 von 10 jungen Griechen könnten sich laut einer Umfrage aus Deutschland vorstellen, im europäischen Ausland zu arbeiten. Niedrigere Arbeitslosen Raten würden sich wiederum sich positiv auf das Wirtschaftswachstum der Mitgliedsstaaten auswirken. Diese hohe Mobilität der Arbeitskräfte stellt eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren unserer Währungsunion dar. Im Allgemeinen passen sich jüngere Arbeitnehmer besser den Veränderungen im Arbeitsmarkt an. Grund genug, bei dieser sehr flexiblen Gruppe anzusetzen und deren Mobilität auf dem Arbeitsmarkt zu fördern.

Hierfür können verschiedenste Möglichkeiten in Betracht gezogen werden: Ein europäischer Arbeitsvertrag könnte zu mehr Stabilität und Zusammenhalt führen und somit die Anstellung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber vereinfachen. Diese sollten gleichzeitig die Möglichkeit haben, europaweit für sich zu werben. Aus diesem Grund hat die EU 1994 das EURES-Netz erschaffen. Ziel dieses Netzwerk ist es, durch die Erstellung einer europaweiten Datenbank von vakanten Stellen, die Freizügigkeit der Arbeitskräfte zu erleichtern. Initiativen, die konkretere Maßnahmen vorschlagen, sind aber ebenso willkommen,wie zum Beispiel Programme zur Sprachförderung.

Kontinentaleuropa unterscheidet sich deutlich von seinen angelsächsischen Partnern in der Anzahl von jüngeren Menschen die selbstständig als Unternehmer aktiv sind. Dies wird oftmals auf kulturelle Unterschiede und eine geringere Risikobereitschaft zurückgeführt. Es ist aber vor allem eine Verschwendung von Talent, wie Monsieur Weber aufzeigte. Dieses Gefälle gibt der EU eine Chance, die sie ergreifen sollte: Sie sollte die Bürger der Mitgliedstaaten anregen, stärker untereinander zu kollaborieren, um einen europäischen Unternehmergeist zu wecken.

Kleine und mittelständischen Unternehmen sind wichtig für das wirtschaftliche Wachstum und die Schaffung neuer Arbeitsplätze, darin sind sich viele Ökonomen einig. Die Generation junger Europäer ist aber im gleichen Maße wichtig für unsere Zukunft.

Themenwoche zur Jugendarbeitslosigkeit

Die Konferenz wurde zusammen von Notre Europe, JEF-France, Confrontations Europe und Nouvelle Europe im Rahmen der „debats preparatoires“ der „États généraux de l’Europe“ organisiert wurde. Die eingeladenen Experten waren Laurent Janneau, Journalist beim Magazin „Alternatives Economiques“, Frédéric Lerais, Direktor des „Institut de Recherches Economiques et Sociales“, und Thiébaut Weber, Mitglied des Französischen Gewerkschaftsbund CFDT. Zusammen diskutierten sie über die Situation und Perspektiven der Europäischen Jugend auf dem Arbeitsmarkt.

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