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Küss mich! Halt mich! Lieb mich!

, von  Enrico Kreft

Raub der Europa (Tizian, um 1560, Isabella Stewart Gardner Museum in Boston)GNU frei lizensiert

Autoren

  • 2003 bis 2009 Landesvorstandsarbeit bei den JEF Schleswig-Holstein, zuletzt viereinhalb Jahre lang Landesvorsitzender der JEF SH sowie Vorstandsmitglied bei Europa Union SH; seit November 2009 Präsidiumsmitglied der Europa Union Deutschland; 2004 und 2009 SPD-Listenkandidat zur Wahl des Europäischen Parlaments; Abitur, Offiziersausbildung bei der Luftwaffe, Studium der Rechtswissenschaft mit dem Schwerpunkt Europarecht; wohnhaft in der Hansestadt Lübeck.

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Küss mich, halt mich, lieb mich: Europa liegt am Boden und sie klagt an: Mit leichtem Fuß hat sich so mancher in einer ihrer schwierigsten Lebenskrise ihr entzogen! Dies untermauern einerseits Jürgen Habermas mit seinem nachdrücklichem Essay „Zur Verfassung Europas“ und andererseits Navid Kermani durch seine Einwürfe wie „Europa, wo sind Deine Träumer?“ als ihre Anwälte ihren Gegnern hoffentlich deutlich. Dabei haben sie es mit einer übermächtigen Gegnerschaft zu tun: die europäische Bürgerschaft, die durch ihre politische Führung kaum erzählt bekommt, warum sie sich um und für Europa kümmern soll. Oder die national ausgerichteten Kräfte in Politik und Wirtschaft, denen es in dubio pro reo wichtiger ist, günstige Kredite für sich in Anspruch zu nehmen als die große Aufgabe erkennen, zu Europa in diesen leidvollen Zeiten zu stehen, denn deren Sein ist in der Existenz Europas begründet.

Sie sollten Habermas lesen, nicht den windigen Vorschlägen eines Henkels verfallen; einige Freiheitlichen, Rechten und andere nutzen zumindest seine ökonomische, schwachsinnige Idee (Nord- und Südeuro! Hartwährungsverbund heißt es in nationalistischen Kreisen auch!). Oder sie holen sich beim leider kürzlich verstorbenen Vaclav Havel, der zurecht den europäischen Karlspreis erhielt, geistige, europäische Nahrung! Meine Zuneigung ist Europa nicht nur vom Kopf her sicher, denn sie hat mein Herz berührt. Ich will, zumal ich wohl nur in einer ganz kleinen Nische der europäischen Gesellschaft wahrgenommen werde, docheiner dieser Träumer sein, die an Europas Zukunft glauben und in diese investieren - und ihr so? Trotz der einen oder anderen Falte und einigen grauen Strähnchen im Haar bezaubert sie mich auch weiterhin - und euch? Krisen stärken, festigen unsere Beziehung. Ich gewinne aber den Eindruck, dass ich nicht allein bin. Wir Träumer müssen wohl nur lauter rufen; nicht nur Nebenkläger, sondern statt Kermani, Habermas und Co. Europas Anwälte werden: Der europäische Traum ist keineswegs ausgeträumt!

Mal ganz ehrlich: das war schon ganz schön kitschig, nicht? Dennoch: Es wäre ein Treppenwitz der Geschichtsschreibung, dass fürchterliche Schlachten auf unserem Erdteil stattfanden und die europäische Idee im Sinne Kants „Ewigen Frieden“ überlebte, aber eine Finanz-, Wirtschafts- oder meinetwegen auch Politikkrise Europa in den Abgrund zieht? Tanken wir über die anstehenden Feiertage ideelle, seelische und körperliche Kraft, um weiterhin von Europa zu träumen und um den Prozess zu gewinnen. Wir müssen lediglich unsere Gegnerschaft überzeugen! Und ich bin sicher, dass wir zudem um die Aufmerksamkeit Europas buhlen müssen, und nicht Europa um unsere: Küss mich, Europa! Halt mich, Europa! Lieb mich, Europa!

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