Diese Entwicklung steht für mehr als nur einen Generationswechsel. Sie zeigt auch, wie sehr sich die Regeln und Vorstellungen innerhalb der Monarchien verändert haben. Wo früher männliche Nachkommen automatisch Vorrang hatten, entscheidet heute in vielen Ländern schlicht die Reihenfolge der Geburt.
Monarchinnen der Geschichte
Frauen auf dem Thron sind keineswegs eine neue Erscheinung. Schon früh prägten mächtige Monarchinnen die Geschichte Europas. Eine der bekanntesten ist Elizabeth I., die England im 16. Jahrhundert regierte. Das Land erlebte unter ihrer Herrschaft eine Phase staatlicher Ordnung und kultureller Blüte, die uns heute als „elisabethanisches Zeitalter“ bekannt ist.
Auch in der modernen Zeit haben Monarchinnen ihre Spuren hinterlassen. Besonders prägend war die Regentschaft von Elizabeth II.. Mehr als siebzig Jahre lang stand sie an der Spitze des Vereinigten Königreichs und wurde zu einer der bekanntesten und langlebigsten Monarchinnen der Geschichte. Zusammen mit anderen langjährigen Herrscherinnen wie der dänischen Königin Margrethe II. verkörperte sie eine Epoche, in der Frauen über Jahrzehnte hinweg Stabilität und Kontinuität in ihren Monarchien symbolisierten.
Der Weg von Frauen auf den europäischen Thron war dennoch Jahrhunderte lang von Regeln geprägt, die männliche Nachkommen bevorzugten. Selbst wenn eine Prinzessin das erstgeborene Kind war, verlor sie ihren Platz, sobald ein jüngerer Bruder geboren worden ist.
Die Folgen dieser Regelungen lassen sich in mehreren Dynastien beobachten. In Spanien etwa verlor die Infantin Elena ihren Platz als mögliche Thronfolgerin, als ihr Bruder Felipe geboren wurde. Das Geschlecht entschied damals zwangsläufig über die Hierarchie innerhalb der königlichen Familie. Das gilt in Spanien bis heute. Auch in anderen europäischen Fürstenhäusern besteht solch eine Bevorzugung teilweise bis heute fort. Etwa im Fürstentum Monaco haben sowohl Prinzessin Caroline als auch nachher Prinzessin Gabriella trotz ihrer Stellung innerhalb der Familie keinen Anspruch auf den Thron.
Erst in den vergangenen Jahrzehnten begannen viele Monarchien, ihre Thronfolgeregeln neu zu gestalten. Schweden führte bereits 1980 die sogenannte absolute Primogenitur ein, bei der ausschließlich die Reihenfolge der Geburt entscheidend ist. Später folgten Belgien, Norwegen und die Niederlande mit ähnlichen Reformen.
Die nächste Generation der Königinnen
Diese Reformen haben eine neue Generation von Thronfolgerinnen hervorgebracht. In mehreren europäischen Monarchien stehen junge Frauen bereits an der Spitze oder zumindest weit oben in der Thronfolge.
Eine von ihnen ist Prinzessin Elisabeth von Belgien. Sie ist die älteste Tochter von König Philippe und steht an erster Stelle der belgischen Thronfolge. Damit wird sie eines Tages die erste Königin des Landes werden. Möglich wurde das durch eine Änderung der belgischen Verfassung in den 1990er Jahren, die erstmals eine geschlechtsunabhängige Thronfolge einführte. Elisabeth bereitet sich intensiv auf ihre zukünftige Rolle vor. Sie studierte unter anderem in Oxford und absolvierte zudem eine militärische Ausbildung, wie sie zur Vorbereitung vieler europäischer ThronfolgerInnen gehört.
Auch in den Niederlanden wächst eine zukünftige Königin heran. Prinzessin Catharina Amalia ist die älteste Tochter von König Willem Alexander und Königin Máxima und steht seit ihrer Volljährigkeit offiziell an der Spitze der Thronfolge. Eine Königin ist historisch betrachtet keineswegs ungewöhnlich für die Niederlande. Das Land wurde zwischen 1890 und 2013 mit Wilhelmina, Juliana und Beatrix über mehr als ein Jahrhundert hinweg von drei Königinnen regiert. Amalia könnte diese Tradition eines Tages fortsetzen. Während ihres Studiums in Amsterdam lebte sie in einer Wohngemeinschaft und arbeitete an einer Strandbar – ziemlich ungewöhnlich für eine Prinzessin. Diese Erfahrung sollte sie bewusst näher an den Alltag ihrer Generation bringen.
Auch in Spanien bereitet sich eine mögliche Königin vor. Prinzessin Leonor, die älteste Tochter von König Felipe VI., steht heute an erster Stelle der spanischen Thronfolge und rückt zunehmend ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Auch zu ihrer Vorbereitung gehört eine militärische Ausbildung, die sie durch verschiedene Teilstreitkräfte führt und die sie Schritt für Schritt an die Rolle eines zukünftigen Staatsoberhauptes heranführen soll.
In Skandinavien zeigt sich besonders deutlich, wie sehr sich die Monarchien verändert haben. Kronprinzessin Victoria wird eines Tages den schwedischen Thron besteigen. Dass sie heute Thronfolgerin ist, geht auf die Reform des Thronfolgegesetzes von 1980 zurück, durch die sie ihren jüngeren Bruder überholte. Mit Victorias Tochter Estelle steht bereits die nächste Generation bereit. Sie wächst als Zweite in der Thronfolge auf und verkörpert eine Monarchie, in der das Geschlecht keine Rolle mehr spielt.
Auch Norwegen gehört zu den Ländern, in denen künftig eine Frau den Thron übernehmen könnte. Nach Kronprinz Haakon steht seine Tochter Ingrid Alexandra an zweiter Stelle der Thronfolge und gilt als Vertreterin einer jungen Generation von Royals, die stärker mit der Gesellschaft ihres Landes verbunden sein sollen.
Monarchie im Wandel
Die zukünftigen Königinnen Europas stehen damit an der Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne. Sie wachsen in einer Zeit auf, in der Monarchien moderner auftreten müssen als früher. Viele von ihnen haben internationale Ausbildungen, sprechen mehrere Sprachen und treten bewusst als Vertreterinnen einer neuen Generation auf. Gleichzeitig bleiben die grundlegenden Regeln der Monarchie bestehen: politische Neutralität, repräsentative Aufgaben und eine Rolle als verbindende Figur über politische Lager hinweg.
Nachdem Frauen lange Zeit um ihren Platz in der Thronfolge kämpfen mussten, steht nun eine Generation bereit, für die Gleichberechtigung im Königshaus selbstverständlich geworden ist – ein bemerkenswerter Wandel.
Wenn diese Prinzessinnen eines Tages ihre Kronen tragen, könnte sich eine historische Entwicklung bestätigen: Die Zukunft der europäischen Monarchie ist weiblich.

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