TriRhena Consulting

Studentische Unternehmensberatung - ein Selbstversuch

, von  Louis Friedrich

Studentische Unternehmensberatung - ein Selbstversuch
Foto: BDSU / bereitgestellt Plenum des Bundesverbands Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen

Studieren, das bedeutet linksgrün sein. Zumal wenn man in Freiburg, der in dieser Hinsicht versifftesten Stadt der Bundesrepublik, ein Politikstudium begonnen hat. Die Menschen sind so homogen grün, dass jeder weiße Hemdkragen mit einem FDP-Mitgliedsausweis verwechselt wird. Zu Marktwirtschaft sagt man Kapitalismus und beim Schlagwort Diversität spricht sicher niemand von einem Aktien-Portfolio.

Wie die Bewohner der Schwarzwaldmetropole, sind auch die Debatten oft nur in begrenztem Maße kontrovers, man muss erst einmal jemanden finden, der vor hat, später einmal – Gott bewahre – in der freien Wirtschaft und damit für das System zu arbeiten.

Entsprechend schwer kann man sich den Stand einer studentischen Unternehmensberatung vorstellen, wenn sie als Hochschulgruppe zwischen drei verschiedenen FridaysForFuture Initiativen, CampusGrün und der Linkspartei bestehen muss. Das war zumindest mein erster Gedanke, als ich versuchte auf dem Weg zur Mensa einen der TriRhena-Marktwirtschaftsjünger*innen abzuwehren, nachdem ich mir gerade einen Keks und einen Schwung Sticker vom Stand der Linksjugend geschnappt hatte.

TriRhena Consulting, mit Verweis auf das oberrheinische Dreiländereck, auf dessen deutscher Seite sich Freiburg befindet, ist eine von „36 führenden Studentischen Unternehmensberatungen Deutschlands“, wie man stolz auf der Homepage des BDSU verkündet wird. Das Prinzip ist einfach: Der Verein vermittelt aufstrebende Studierende an mittelständische Unternehmen mit Sitz in der Region, auf dass diese den Unternehmen ihre beraterische Arbeitskraft anbieten und so neben dem Studium Praxiserfahrungen und Einblicke in den Arbeitsalltag potenzieller zukünftiger Arbeitgeber gewinnen.

Raus aus der studentischen Perspektivlosigkeit

Wenn ich ehrlich bin, hört sich das großartig an. Gerade in den Sozialwissenschaften weiß man genau, wie ermüdend die elterlichen Fragen nach der Jobperspektive sein können (besonders wenn man bis zum 13. Bachelorsemester Kulturanthropologie wegen mangelnder Praxiserfahrung keine Antwort darauf parat hat). Aber man ist ja nicht nur perspektivlos und stolz darauf, sondern auch moralisch überlegen: Wie könnte man sich also jemals an eine Unternehmensberatung verkaufen, die doch letztendlich nur den langen Arm der VWL-Fachschaft darstellt?



Logo des Freiburger e.V. - mit Bezug auf Rhein und Dreiländereck (Foto: TriRhena Consulting / bereitgestellt)

Aber siehe da: TriRhena rekrutiert sich lediglich zu einem Drittel aus wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen. Den größten Teil macht eine bunte Truppe aus allen möglichen Studienrichtungen aus – und die machen ihren Job scheinbar gut: „Wir unterstützen die Unternehmen bei ihren Marketing-Projekten und übernehmen Aufgaben in Prozessmanagement und -visualisierung, die uns angemessen scheinen. So können wir die gute Kooperation mit unseren Partnern aufrechterhalten und die Projekte zur vollsten Zufriedenheit der Unternehmen bearbeiten.“, erklärt mir Ángel, Vorstand für Qualitätsmanagement und IT.

Also gut, vielleicht habe ich die Jungunternehmer*innen zu schnell verschubladet. Zeit meinen Konfirmationsanzug aus dem Schrank zu holen und dann ran an die Bewerbung. TriRhena ist zwar ein Verein, der grundsätzlich jedem offen steht, Standards hat man aber trotzdem. Und so muss jeder Anwärter in einem dreiphasigen Bewerbungsprozess seine Eignung beweisen. Zunächst gilt es, den Mindset-Test auf der Website zu durchlaufen, bei dem man Motivation und Lebenslauf aufgibt. So weit so konventionell, das bekomme ich hin. Sollte man „aus einer großen Anzahl aus Bewerbungen“, ausgewählt werden, wie mit die HR-Vorständin Maya meinen ersten Erfolg zertifiziert, wartet das Assessment Center auf den angehenden Consultant. Das wiederum ist mir neu. Auf eine überforderte Nachfrage schreibt man mir, es sei mir selbst überlassen ob und wie ich mich vorbereite.

Von Nachhaltigkeitskonzepten bis Greenwashing

Der Tag des Assessments ist gekommen und ich finde mich in einem Konferenzraum neben einem behemdeten BWL-Studenten und zwei VWLerinnen wieder. Vor uns, in einem bedrohlichen Halbkreis stehen sieben aufgeklappte Macbooks mit ihren freundlichen Besitzern dahinter und lächeln uns erwartungsvoll zu. Wir bekommen eine Fallstudie vorgelegt, beginnen damit ein Nachhaltigkeitskonzept für eine Modekette zu entwerfen und enden mit diversen Vorschlägen zu Greenwashing und Kostenrationalisierung – so weit so authentisch. Einfach wird es uns allerdings nicht gemacht. Die Fragen in den Einzelgesprächen bohren ordentlich nach und auch in der Gruppenarbeit gibt es wenig Anhaltspunkte, ob wir denn nun die richtigen Antworten auf die Fallstudie gegeben haben.

Als dritter und letzter Schritt wartet ein Vorbereitungswochende auf einer Schwarzwaldhütte. „Die Bewerber:innen werden zur Vereinsarbeit und zum genauen Vorgehen bei externen Unternehmensprojekten geschult und profitieren von der Erfahrung von vielen TriRhena-Generationen vor ihnen“, berichtet Ángel und der muss es wissen. Denn zum Qualitätsmanagement gehört ganz vorneweg die Wissensweitergabe zu bewährten Präsentationstechniken, dem richtigen Auftreten vor dem Kunden und der Außenwirkung des Vereins. Wenn auch diese Stufe erfolgreich überwunden ist, dürfen die frischgebackenen Consultants – auf Probe, wohlgemerkt – ihr erstes Projekt angehen.



Die Akquise der Unternehmen geschieht meistens bei Veranstaltungen oder Vernetzungstreffen des Vereins oder über Kontakte der Vereinsmitglieder, wie es beispielsweise beim gemeinsamen Projekt mit dem 9Levels Institute for Value Systems GmbH & co. KG, einem Unternehmen, das Wertecoachings anbietet, der Fall war. In der Zusammenarbeit konnten die studentischen Unternehmensberater:innen dem Institut helfen, seine Expansionsmöglichkeiten ins Ausland und die Möglichkeiten weiter in der Region zu wachsen auszuloten. Das Unternehmen war zufrieden, die jungen Consultants auch. Kein Wunder, denn die hohe Motivation der Mitglieder speist sich wohl nicht nur aus dem Gefühl, Weltverbesserer im Unternehmen zu sein, sondern wohl auch ein wenig aus den Stundensätzen von bis zu 20 Euro, mit denen der Kunde mal eben so den Aufwand der Berater:innen „entschädigt“. Immerhin werden 10% davon an den Verein gespendet, die Gemeinnützigkeit des e.V. ist also gesichert!

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